Ausdruck

Aktualisiert: 28. Okt.

Bis vor einigen Jahren hatte ich immer das Bedürfnis, die Haut an meinen Fingerkuppen abzuknibbeln - ich habe im Internet recherchiert und man nennt das "Skin Picking". Das fing bei mir schon im Grundschulalter an und erst vor ein paar Jahren schaffte ich es, diesen Zwang zu heilen

Als Kind erntete ich immer nur strafende, vorwurfsvolle Blicke von meinen Eltern und anderen erwachsenen Familienmitgliedern.


Ich kann mich noch gut an die Blicke meines Onkels erinnern.

Aber als Kind weiß man natürlich nicht, warum man sich auf die ein oder andere Weise verhält. Und in meiner Herkunftsfamilie wurden Probleme seelischer Natur komplett ausgeblendet und ignoriert, schlimmstenfalls bestraft. Schließlich musste die Fassade aufrechterhalten werden

Im Nachhinein verstand ich dann, dass ich damit einen inneren Druck abgebaut hatte und damals wusste ich nicht anders damit umzugehen. Denn damals war ich die brave Tochter, immer angepasst, ruhig, ordentlich und möglichst unauffällig. Und da ich schon immer ein sehr sensibler Mensch war, machte ich all das, was ich fühlte, mit mir alleine aus.


Es hat mich viel Zeit und Arbeit gekostet, all die Themen zu heilen, die mit dieser Zwangsstörung verknüpft waren und als ich es endlich geschafft hatte, wurde mir zum ersten Mal bewusst, unter welchem Druck ich all die Jahre gelitten hatte. Denn zum ersten Mal fühlte ich diese Stille in mir, diesen tiefen inneren Frieden.


Es gibt so viel in unserem Inneren, das nach Ausdruck verlangt. Zum Beispiel gibt es die verschiedensten Emotionen, die ausgedrückt werden wollen, weil sich sonst dieser Druck aufbaut und irgendwann ungesund wird. Wut Freude Trauer Aufregung usw. dürfen gelebt und ausgedrückt werden.


Bei mir sind es oft Ideen und Gedanken, die sich wünschen ausgedrückt zu werden. Deswegen schreibe ich häufig Texte zu Themen, die mich in diesem Moment bewegen. Ich habe auch wieder angefangen, Tagebuch zu schreiben.


Und ich kann nur jeden dazu ermutigen, sich auszudrücken, sei es durch Sprache, Musik, Bewegung, was auch immer.


Wir alle dürfen so sein, wie wir eben sind.


In diesem Sinne - lasst fließen, was in euch ist.


In Liebe



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